Zuerst Betriebsbesichtigung einer Honigfabrik, dann Honig Rezepte naschen

Phänomenale Organisationen arbeiten im Verborgenen

Bei meinem Gang durch die Produktionsstätte werde ich mehrmals überrascht.  Mein Verdacht unterliegt bei Weitem dem, was sich dort tatsächlich abspielt. Die organisierte  Herstellung von Honig ist eine uns verborgene Welt voller eigenwilliger Mitarbeiter mit erstaunlichen Fertigkeiten und verblüffenden Regularien, wie in einem Staat. In diesem Artikel widme ich meine  Aufmerksamkeit einem empfehlenswerten Buch, und zum Abschluß gibt´s passend dazu zwei Honig Rezepte.

Buchbesprechung

Vorab möchte ich betonen, dass es sich hier nicht um das 25ste Imkerlehrbuch handelt. Vielmehr sehe ich es als eine Hommage an das aromatischsüße Wunder der Natur. Entlang der Produktionskette des Honigs beschreiben die Autoren Prof.  Jürgen Tautz (international anerkannter Bienenexperte) und Diedrich Steen (Programmleiter im Gütersloher Verlagshaus und erfahrener Imker) in ihrem Werk „Die Honigfabrik“ den Superorganismus „Bien“. Wir erfahren, wie seltsam die Wunderwelt der Bienen eigentlich so tickt. Beispielsweise, dass naturnahes Teamwork im geordneten Chaos tatsächlich funktioniert, was die Phänomene der Klugheit sind, oder wie ganze Bienenvölker ums Überleben kämpfen.  Auch was die Vielfalt deren Produktsortiments ausmacht, ist nach der Lektüre so einleuchtend wie hellgoldener Akazienhonig im Sonnenschein. Und wer schon immer über Bienen-Sex noch mehr Bescheid wissen wollte, wird in Kapitel 2.3 auch nicht enttäuscht.

Nun ja, ich stelle Euch hiermit ein neues populärwissenschaftliches Buch vor, das durch seine Schreibe die Welt der Bienen mit Witz und Charme zum Kopfkino werden lässt. Während die beiden  Autoren die staatlich organisierte Bienenwelt in Form einer Betriebsbesichtigung bildhaft vermitteln, wird mir klar, dass auch die kleine Biene Maja doch nicht in einer soo tollen Traumwelt lebte. Eher wie in einem asiatischen Großkonzern in dem die persönliche Individualität untergeordnet wird, vermute ich.

Wie im richtigen Berufsleben

So systematisch und organisiert der Bienen-Alltag im Betrieb abläuft, so strukturiert sind die Kapitel aufgeteilt. Schon mein erster Einblick macht Naturfreunde wie mich ziemlich neugierig.  Zunächst beeindrucken mich die Kapitelüberschriften.  Die dann folgende Lektüre  einzelner Untertitel fließt gut durch meine Augen in mein Vorstellungsvermögen. Dort wo es angemessen ist, wird mir ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Üblicherweise findet Ihr eher selten eine komplette Kapitelübersicht in Buchrezensionen, aber hier gibt´s eine Ausnahme als Beleg für die Veranschaulichung einer Parallelität zur Betriebsorganisation sowie deren wirtschaftlichen Herausforderungen.

  1. Feng Shui in der Finsternis – Das Betriebsgebäude und die Produktionsmittel des Bienenvolkes
  2. Saisonarbeit im Rhythmus der Jahreszeiten – Teamwork in der Honigfabrik
  3. Honig ist nicht Alles – Aber ohne Honig ist Alles Nichts
  4. Eine Tochterfirma wird gegründet – Der Schwarm
  5. Betriebsspionage, Raubüberfälle und Aliens aus Asien – Bienen im Kampfmodus
  6. Tod der Königinnen? – Bienen im Kampf ums Überleben

Das wissenschaftlich fundierte Buch ist durch seine amüsante Art leicht verständlich und liest sich für Naturfreunde spannend wie ein Krimi. Die Autoren erklären aber auch die gesundheitlichen Gefahren, denen Bienen und damit letztendlich auch die Menschheit, ausgesetzt sind. Im Unterkapitel „Zurück in die Zukunft – Alte Wege, neu entdeckt“ zeigen sie einen Lösungsansatz  wie z.B. durch eine sehr alte und ursprüngliche Form der Bienenhaltung, der Zeidlerei, dem Ökosystem Wald lokal ein wichtiger Baustein zurückgegeben werden kann. So wird zudem der Begriff „wesensgemäße Bienenhaltung“ kritisch hinterfragt.

Stellenweise sind auch S/W Abbildungen und Grafiken in den Text eingebunden, welche allerdings im Gegensatz zum Text eher den Charme eines Lehrbuchs der alten Schule haben.

  • Buchtitel: Die Honigfabrik. Die Wunderwelt der Bienen – eine Betriebsbesichtigung
  • Autoren: Jürgen Tautz, Diedrich Steen
  • ISBN 978-3-579-08669-9 , Hardcover, 269 Seiten plus Anhang mit 26 farbigen Abbildungen
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
  • Preis: € 19,99
  • Erscheinungstermin: 25.April 2017

Fazit

Dieses  handliche Buch über unser Lieblingsinsekt ist ein Lesevergnügen für alle die nicht nur gerne Honig genießen. Im Stil des Infotainment werden wissenshungrige Leser zum Thema Komplexität einer Honigfabrik amüsant unterhalten. Warum „Der Imker als Spaßbremse“ gilt, erfahrt Ihr auf Seite 180 und wäre z.B. für die nächste Party mein Talk-Tipp. Natur und Kulinarik sind ja nunmal angesagte Themen, die gepflegt werden wollen.

Danke an das Gütersloher Verlagshaus für das Rezensionsexemplar, das mir bereits vor dem Erscheinungstermin gratis zur Verfügung gestellt wurde! Ich bespreche grundsätzlich nur Bücher, die mich sowohl mit ihrer Schreibe als auch ihrem Informationswert überzeugen. Daher sind meine Bewertungen hier im Blog immer positiv.

Tipps

  • Am Weltbienentag  20.Mai den lieben Bienen gedenken und diese dann  mit  Bienenpaketen unterstützen, ein ideales Geschenk für Duftpflanzenfreunde

 HOBOS bee careful ist ein interaktive Plattform von Prof. Tautz. Im Datacenter bei HOBOS gibt es drei Bereiche: Live-Ansicht, Ereignisse und Archiv. Unter dem Reiter „Live-Ansicht“ ist der Zugriff auf Livedaten von verschiedenen Standorten möglich. Im Bereich „Ereignisse“ werden besondere Beispiele aus dem Bienenleben mit den zugehörigen Videos und Messdaten gezeigt.

Honig Rezepte

Bevor ich das Unterkapitel 3.3 „Blütensaft und Läusepippi – Rohstoffe und wie Bienen an sie herankommen“  zu lesen begann, ging ich erstmal in meine Küche. Die unterhaltsame Lektüre über diese aromatisch-süße Wunderwelt wurde  unterbrochen durch meine Lust auf  Honig Rezepte mit Waldhonig. Tagszuvor hatte ich diese bis zum Finish vorbereitet.

Waldhonig entsteht nicht aus dem Blüten-Nektar, sondern aus Honigtau. Diese süße  Masse ist quasi das Pippi von Blattläusen, Blattflöhe oder Zikaden. Honigbienen sammeln neben Nektar auch diesen Honigtau und machen daraus eine ziemlich aromatische Spezialität, die sich bestens für Honig Rezepte eignet. Je nach Herkunft und Insektenart kann Waldhonig so unterschiedlich wie die Vielfalt der Weinreben schmecken.

Tannenspitzen-Parfait | Waldhonig | Apfel in Bierteig

Zutaten für 4 kleine Portionen

Parfait, aromatisiert mit Tannenspitzen

  • 4 Eigelb, das Eiklar wird für den Bierteig verwendet
  • 50 g Brauner Rohrzucker
  • 80 g Tannenspitzenhonig
  • 4 EL Joghurt 3,8 % Fett
  • 200 ml Sahne, aufgeschlagen
  • 4 TL Waldhonig für die Deko

Gebackene Apfelringe im Bierteig

  • 1 Apfel, entkernt und mit Schale quer in 1 cm Scheiben geschnitten
  • 4 Eiweiss
  • 150 ml Pils
  • MiniPrise Salz
  • 5 EL Mehl

Zubereitung

  • Eigelb mit Rohrzucker und Tannenspitzenhonig auf einem heißen Wasserbad cremig aufschlagen. Dabei auf die Temperatur der Eimasse achten, damit daraus kein süßes Rührei wird. Anschließend im kalten Wasserbad kalt schlagen.
  • Zuerst Joghurt unterrühren, anschließend die aufgeschlagene Sahne unterheben. In passende vorgeeiste Mini-Schälchen (oder in kleine Ausstechringe) portionsweise abfüllen und für mindestens 4 Stunden in das Gefrierfach stellen.
  • In der Zwischenzeit aus den Teigzutaten einen Bierteig mischen. Apfelscheiben in den Teig eintauchen, abtropfen lassen und dann in schwimmend heißem Fett ausbacken.
  • Finish wie auf Foto: Das Parfait mit Linien aus Waldhonig dekorieren, gemäß dem Tanzmuster einer Biene. Falls verfügbar, fein gehackte Tannenspitzen darüber streuen, die kleinen davon sind nämlich super weich im Vergleich zu Rosmarin. Gebackenen Apfelring neben das Parfait platzieren.

Tipp: Mit dem überschüssigen Bierteig könnt ihr noch dünn geschnittenes Gemüse wie Zucchini, Zwiebelringe, Bärlauchblätter oder Salbeiblätter im heißen Fett ausbacken.

Alpenländische Küche: Tannenspitzen-Parfait mit Waldhonig

Tannenspitzehonig ist für Veganer eine alternatives Genusserlebnis aus dem Wald. Ich entdeckte ein Original Schweizer Rezept auf Kerstins Blog Verboten Gut. Den in meinem  Honig Rezepte verwendeten Tannenspitzenhonig hatte ich vor einiger Zeit in einem Hofladen gekauft.

Ganz nah am Geschmack des Tannenwalds

Geschmacksprofil

Ein Nadelwald duftet nicht nur gut, er ist in diesem Fall ein intensives Genusserlebnis auf dem Teller. Nachkochen dieser Honig Rezepte lohnt sich für alle die in der Zeit von April bis Mai auf legale Weise an frische Tannenspitzen (zum Beispiel auf Privatgrund) herankommen. Oder einfach im Hofladen sich ganzjährig ein Glas kaufen.

Scharfe Honig-Marinade für Hühnchenschlegel (Drum Sticks)

Zutaten für 4 Teile

  • 4 EL japanische Soja-Sauce
  • 1 EL Waldhonig
  • 1 Knoblauchzehe, sehr fein gehackt
  • 1 TL Tabasco Chilisauce oder 4  fein gehackte rote Chilischoten
  • 1 TL frisch geriebener Ingwer (optional)
  • 1 TL Limettensaft
  • 1/2 TL Kubebenpfeffer aus der Mühle
  • Prise Himalaya Salz

Alle Zutaten in einer kleinen flachen Schüssel mit einem Schneebesen vermischen. Gewaschene und abgetupfte Hühnchenschlegel darin einlegen,  1 Stunde im Kühlschrank zugedeckt marinieren, dabei einmal in der Marinade wenden. In einer Pfanne in heißem Pflanzenöl beidseitig von beiden Seiten leicht braun anbraten. Danach bei geschlossenem Deckel auf kleiner Hitze während 10 Minuten gar ziehen lassen, dabei zwischendurch zwei mal wenden.

Hühnchenschlegel, aromatisiert mit scharfer Honig-Soja-Marinade

 

 

 

 

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