DIY Eistee: Erfrischend fruchtig mit Kirschsaft und Minze

Wer meine Kochvorführung während der Hohenstoffeln Kräutertage der Duft-und Gewürzkräuter Gärtnerei Syringa gesehen hat, wurde mit diesem erfrischenden Drink begrüßt. Die verwendeten Zutaten waren alle zur Zeit des Konstanzer Konzils 1414 – 1418 in der Stadt verfügbar. Eistee Rezept zum Selbermachen! Do it yourself Eistee, mit deutlich weniger Süße als in dem aromatisierten Eistee-Zuckerwasser mancher Großkonzerne. Hier nun meine Anregung ein Food Pairing Rezept zu probieren, und zwar mittelalterlich inspiriert.

Wassersituation im Mittelalter

Im Mittelalter war das Brunnenwasser der Städte gesundheitlich bedenklich. Weil es besonders im Sommer mit teils lebensgefährlichen Fäulnis-Keimen belastet war und dementsprechend schmeckte, trank die Bevölkerung vorzugsweise vergorene Getränke wie z.B. Most, Wein, Bier. Ja, Kinder schluckten wahrscheinlich auch davon.

„Wollte man/frau gesund durch den Sommer kommen, mussten sie  zwangsläufig, und vor allem nachhaltig, einen gewissen Alk.-Pegel erklimmen. Latenter Alkoholismus. Lustig ging es wahrscheinlich nicht immer zur Sache“

Erst im Jahr 1860 erkannte  Louis Pasteur die Ursache von Fäulnisprozessen in der bakteriologisch verseuchten Wasserversorgung. Die weisen Kräuterfrauen wussten bereits im Mittelalter, dass Kräutertees  (abgekochtes Wasser) keine Magen-Darm-Infektionen verursachten, ja sogar heilende Wirkung hatten. Voraussetzung hierfür war fließend klares Wasser ohne Beigeschmack. Eine von vielen – damals nicht wissenschaftlich belegten Weisheiten – für die sie als Hexen gejagt wurden. Nun ja, auch im schönen Konstanz spielten sich zur Zeit des Konzils gruselige Szenen ab. So unfassbare Zustände, wie die Tatsache, dass in unserer  „aufgeklärten“ Zeit  in vielen Regionen noch immer eine „trübe“ Wasserversorgung der Standard ist. Trotz des Hightech Potentials in der  Wasseraufbereitung bleibt sauberes Wasser für Milliarden von Menschen immer noch eine Illusion.

Eistee Rezept, mittelalterlich inspiriert

Wenn auch dieses Rezept  in keinem Mittelalter-Kochbuch auftaucht, so hätte es damals vermutlich nicht nur  dem Adel, Klerus oder anderen privilegierten Schmarotzern geschmeckt. Die Zutaten waren nämlich in der Region verfügbar, sofern man/frau gut organisiert war.

 

Minze-Kirsch-Drink

Zutaten für 1 Liter Vorrat Eistee

  • 330 ml Sauerkirschsaft (100% Direktsaft!)
  • 3 EL Honig
  • 30 ml Verjus
  • 600 ml starker Minzetee  (aus ½ Bund Minze, 15 Minuten in heißem Wasser gezogen)

 

Eistee, mittelalterlich inspiriert: Minze-Kirsch-Drink mit Verjus

Zubereitung
  1. Alle Zutaten in eine heiß ausgespülte Flasche mit Bügelverschluss mittels Trichter in der oben genannten Reihenfolge einfüllen.
  2. Flasche  schütteln bevor sie im Kühlschrank über Stunden gut durchkühlt. Der Honig ist gut vermischt und setzt sich nicht am Boden ab!
  3. Innerhalb von 4 Tagen eiskalt als sommerlichen Durstlöscher in vollen Zügen genießen.

 

Geschmacksprofil

Dieses Eistee Rezept überzeugt nicht nur durch seine Einfachheit, sondern auch mit seinem frischen Geschmack. Alle, die eine Alternative zu aromatisiertem Mineralwasser suchen, sollten dieses Eistee Rezept einmal probieren. Voraussetzung ist allerdings, dass Euch Kirsche und Minze grundsätzlich schmecken. Die beiden sind in diesem Erfrischungsdrink nämlich ein kulinarisches Paar bzw. in einem Food Pairing Drink integriert. Die Balance von Kirsche und Minze halte ich hier für ausgewogen, d.h. beides ist mit seinem ausdrucksstarken Geschmack vertreten.  Durch einen kräftigen Schuss Verjus, bekommt der Minze-Kirsch-Drink eine  spritzig grüne Note. Wem die Kombination Kirsche|Minze evt zu stark schmeckt, verdünnte sich den Eistee einfach mit etwas Mineralwasser.

 

Verjus zum Verfeinern

Verjus, oder auch Agrest genannt, wurde im Mittelalter aus den unreifen grünen Trauben gewonnen. Vor der Erntezeit wurden diese kleinen Früchte  von der Bevölkerung in den Weingebieten vom Boden aufgelesen und dann ausgepresst.  Seit einigen Jahren wird Verjus von einigen Winzern als Spezialität angeboten,… so wird im Fine Dining Sektor  Verjus auch gerne als Zutat in alkoholfreie Aperitifs dosiert oder auch als Sekt-Alternative genippt. In der kalten Küche verwende ich ihn gerne als Essig-Alternative, wie  z.B. im  Salat oder auch im  Apfelkompott

 

Ein Shot Verjus zum Aromatisieren in der kalten Küche

Tipp

Das Rezept dient als Basis für weitere Varianten mit Obst und Kräutern. Beispielsweise eignet sich auch eine Kombination von Minze /Zitronenverbene.  Allerdings ist das Rezept dann nicht mehr mittelalterlich inspiriert, da Zitronenverbene erst in der Neuzeit mit den Seefahrern aus Lateinamerika nach Europa kam. Denkbar ist auch Apfel und Birne anstelle Kirsche zu verwenden.

 

Widmung

Das Rezept ist Julia zum Geburtstag gewidmet. Auf ihren Anstupser hin, hatte ich mich einst aufgemacht, den kulinarischen Weg beruflich zu erkunden. Der Weg führt offensichtlich in die Unendlichkeit der Geschmackswelten.

 

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1Kommentar
  • Nicole
    Veröffentlicht um 13:18h, 19 Juli Antworten

    Kirsche und Minze haben wir gar noch nicht ausprobiert, klingt aber extrem lecker!!! Schau doch auch mal bei unserem Paradies Eistee vorbei: http://www.cookingcatrin.at/paradies-eistee/

    Wir wünschen dir noch einen schönen Tag
    Nicole vom Team cookingCatrin

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