Fancy Food Show in SF (I): Dessert Hummus Style

Happy Go Lucky Cooking

Achtung, jetzt kommt´s ganz schräg:  Dessert Hummus! Neulich bei einem kulinarischen Rundflug durch die  quirlige Galaxis California, musste ich zweimal hinschauen um dann einmal mehr zu staunen. Auf der „San Francisco Winter Fancy Food Show“ wurden die Besucher very happy-go-lucky geflasht. So traf auch mich jener Blitz. Zuerst virtuell, später dann am Gaumen. Und jetzt seit Ihr dran …

Dessert Hummus kann vielfältig verwendet werden: Zum Naschen, Füllen, Dippen, Aufstreichen

California First

Was bisher geschah: An der Westküste entstehen bekanntermaßen die großen Trends und Innovationen, die die Welt zunächst nicht unbedingt erwartet hat, davon aber mit Verspätung erfährt, um die neue Technik dann letztendlich fleißig zu miss- oder gebrauchen. California  ist oft der AnFANG allen Mega-Erfolgs, wie z.B.  Facebook, Apple, Netflix und Google. Daher wortschöpfte die Trendforschung der Foodbranche vermutlich auch den Marketing-Sprech „Californication“.

First we take California, then we take Berlin

War damals 1988 für Leonard Cohens „New Thinking gegen die Langeweile“ zuerst  Manhattan dran, so ist für das neue Denken in der Foodworld offensichtlich California auserwählt worden: Traditionelle Gerichte/Produkte der Länderküchen werden zuerst dort von „Happy-go-lucky-Köchen“ eigensinnig ziemlich crazy zusammengebaut bzw. -gebraten. Diese neue Welle bzw. dieser inszenierte „Foodsunami“ überrascht zunächst London, begeistert dann Berlin und weitere europäische Metropolen, bevor sie/er am Ende in der Provinz im Mainstream verebbt. Irgendwann ist auch der hipste Hype so aufregend wie ein Burger vom Ronald, der mit dem Golden M.

Crazy Beispiele gefällig?

In unserem kulinarisch kollektiven Bewusstsein sind (Ex)-Hypes wie Green Smoothies mit Grünkohl (Kale), die Burger-Reloaded-Kultur, California-Sushi längst präsent, oder? Vielleicht ist auch schon der „neue“ Burrito/Empanada Kult (Mex. Ursprung) jedermann/frau in der Provinz bekannt? Viele Gründer aus der deutschen Start up Szene begründen ihre Geschäftsidee durch die Inspiration während  eines längeren Aufenthalts in den USA, oft auch während einer Reise durch lovely crazy California.

Donut mit Sweet Hummus Füllung

Wetten, dass …?

Nun denn, soweit mein Rückblick. Mein derzeitiger Ausblick nach fancy San Francisco veranlasst mich zu einer fancy Wette: Der nächste Hype in Berlin heißt Dessert Hummus! Es ist eine Art Hybrid-Food wie wir es mit dem Pizza-Burger oder Cronut (Croissant/Donut) erst vor wenigen Jahren geschmeckt haben. Warum wird süßer Hummus die Hipster-Hochburg Berlin einnehmen?

Nun ja,   Hummus ist inzwischen Everybodys Darling, daher sogar im Discounter ein gern gekaufter Dip. Eine Hummus Line-Extension wäre demnach nicht sooo abwegig wie „der blonde Donald“ gerade unterwegs ist. Hummus, eine traditionelle Spezialität aus dem Krisengebiet Nahost erfüllt vermutlich einige Bedürfnisse  der ernährungsbewussten Hedonisten aus dem Hipstergebiet Prenzlberg: Fleischfrei, proteinreiche Alternative, cremige Textur bei relativ niedrigem Fettgehalt. Zudem gibt es dort  inzwischen Hummus in pretty coolen Variationen mit Rote Beete, Süßkartoffel sowie auf Basis weißer oder schwarzer Bohnen. Außerdem: Hummus steht u.a.  für die exotische Geschmackswelt eines der beliebtesten Kochbücher der jüngsten Vergangenheit: „Jerusalem“. Autor ist  der israelisch-britische Koch Yotam Ottolenghi, Inhaber eines der angesagtesten Restaurants Londons, von dem mir vor Jahren zuerst Berliner Kollegen berichteten.

Croissant mit Sweet Hummus Dip

In dieser für uns neuartigen Dessertcreme aus den USA werden Zutaten wie beispielsweise Kokosmilch/Kokosöl, Schokolade/Kakao, Nüssen, Sesam (ohnehin), Agavensirup, Ahornsirup, Erdnussbutter untergemischt. Allesamt Zutaten, die ein Dessert oder süßen Aufstrich zum Genuß machen. Und sich – zumindest in den USA – mit Kichererbsen (=Hummus-Basis) kombinieren lassen …

Und sowas schmeckt, sicher?!

Natürlich war auch ich zunächst skeptisch hinsichtlich Geschmack. Ein kulinarischer Irrläufer etwa? Neuerdings läuft in den USA  sogar ein Präsident nicht mehr ganz  sicher in seiner amtlich vorgebenen Spur.

Beim Stöbern im angelsächsisch kulinarischen Web entdeckte ich dann ein Dessert Hummus Rezept, das bereits  in 2011 von einem crazy US-Foodie publiziert wurde. Diesem „Hummus Avantgardisten“ begegnete zunächst (ähnlich wie seit jeher „dem Donald“) zumindest eine angemessene Skepsis,  … wie in den weit über 100 (!) Kommentaren unter seinem vorausschauendem Post unschwer zu erkennen ist. Zudem fand ich dort den Hinweis, dass anstelle von Kichererbsen ersatzweise auch weiße Riesenbohnen verwendet werden können, da die Kicherbsen in diesem Rezept hinsichtlich Eigengeschmack eigentlich keine Rolle spielen (dürfen).

Potzblitz & Herrschaftszeiten, … was so ein kulinarisch galaktischer Rundflug doch bewirken kann!

Meine Neugier /Vorfeude auf eine reale Begegnung der mir unheimlichen Art eines Dessert Hummus Style hob nun unerträglich weit ab!  Mein Gaumen schrie plötzlich „Yess, … beam me up!“, mein Trommelfell juckte daraufhin von innen heraus. Zum Einkaufen der Zutaten für jenes  US-Rezept und die Umrechnung der Maßeinheiten blieb somit keine Zeit mehr. Ein ungeduldiger Blick in meinen Lebensmittel-Vorrat, endlich schmiss ich (inspired happily by US-Foodies) die nun folgenden Zutaten in den weltberühmten Mixtopf aus Wuppertal. Und mixte das alles volle zwei Minuten lang. Freihändig. Diesmal nicht kochend, versteht sich:

Dessert Hummus „Peanut Butter & Choc-Chunks“ (Sweet Hummus)

Zutaten aus meinem (Basis-)Vorrat für satte 500 g Creme

  • 1 Dose weiße Riesenbohnen (Abtropfgewicht 250 g)
  • 100 g Erdnussbutter mit Stückchen
  • 50 ml ungesüßte Mandelmilch (optional)
  • 5 TL Agavensirup
  • 2 EL Hanföl
  • 1/2 EL Kakaopulver
  • MiniPrise Meersalz
  • Msp. Vanilleschotenpulver

Wird in einem zweiten Step zerkleinert und untergemischt:

  • 50 g Zartbitterschokolade (85% Kakaoanteil), grob zerbrochen

 

Zubereitung

  • Die weißen Riesenbohnen gründlich unter fließendem Wasser in einem Sieb abbrausen.
  • Alle Zutaten bis auf die Zartbitterschokolade in einem Mixtopf/Blender zwei Minuten cremig pürieren.
  • Die fein cremige Masse aus dem Mixtopf oder Blender mit einem Spatel in eine Schüssel umfüllen. Die zerbrochene Zartbitterschoki in den ungewaschenen Mixtopf geben und diese in kleine grobe Stücke (=Chunks) zerkleinern.
  • Die „Choc-Chunks“ nun mit einem Spatel in die Creme untermischen.
  • Jetzt ist unerträgliches Warten angesagt: Vor Verzehr muss die Schüssel Dessert Hummus nämlich 2 Stunden im Kühlschrank abgedeckt gut durchkühlen. Jaa, … leider ganz wichtig (!!), denn nur gekühlt flasht diese verrückte Creme Euren Gaumen.

Anwendung: Als süßer Dip für Pretzels (=Brezel), Cracker, Brownies, Brotaufstrich für Toast, Pancakes and all the other Hüftgold providing goodies.

Brezel mit Sweet Hummus Aufstrich

Geschmacksprofil

Irgendwie werden in mir Kindheitserinnerungen wach an Muttis  Kuchenteig, in den man auch schonmal den bösen Finger steckte und dann abschleckte. In größeren Mengen genascht, verursachte so ein fettig süßer Teig mit Backpulver durchaus ein drückendes Bauchgefühl.

Mouthwatering, … es ist tatsächlich eine bekömmliche Creme die wie ein Teig ausschaut. Sofern der relativ hohe Anteil an weißen Riesenbohnen oder Kichererbsen (=Hülsenfrüchte/Leguminosen) verdauungstechnisch für Euch kein Problem darstellt, erlebt Ihr mit diesem Rezept trotz relativ  wenig Fett & Zucker ein beeindruckend aromatischen Genussmoment. Bei Leguminosenunverträglichkeit hingegen erleben Betroffene, wie  sich ihr persönlicher Wirkungsgrad in geschlossenen Räumen durch schrecklich böse Winde radial vergrößert!

Wer davon unbeschwert ohnehin schon der „Snickers-Droge“, d.h. Kombination Erdnuss/Schokolade, hoffnungslos ergeben ist, wird dieses Dessert Hummus  wahrscheinlich ab heute auf Vorrat halten. Letztendlich macht´s Hardcore-Naschkatzen aber süchtig, daher gebt Obacht!

Sei´s drum! Hauptsache, Ihr habt Spaß, … ohne Bauchweh.

Sweet Hummus Snack kombiniert mit getrockneten Äpfeln

Tipp

Es lohnt sich dieses Dessert Hummus auch mit anderen Zutaten wie Kokosmilch oder einem höheren Anteil von Kakaopulver, Erdnussbutter etc. einmal auszuprobieren. Wahrscheinlich lässt sich auf diese Art auch eine Nougat-Version aus dem Ärmel zaubern.

Im zweiten Teil (folgt in Kürze) meiner „Fancy Food Show“ präsentiere ich ein Food Pairing Rezept a la „Dessert Sushi“. Auch das kommt crazy, aber lecker  …

 

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