Neue TV Kochshow in Sicht, diesmal mit Informationswert?

Kochshow auf allen Kanälen. Viele davon mit albernden TV-Köchen, nur wenige bringen einen Informationswert höher als die Kühlschranktemperatur, leider. Das Team des „Austria Foodblog Award“ und die Film- und Videoproduktion Interspot Film haben im August die Bloggerszene aufgerufen sich als Talent zu bewerben. In einem neuen Kochshow Format dürfen die Auserwählten dann zeigen was sie so auf der Pfanne haben, entweder als kreativer Akteur vor oder auch hinter der Kamera. Zudem wird nach innovativen TV-Konzeptvorschlägen gefischt. Da ich bei den meisten Kochshows eher weg als hinschaue, war der Aufruf für mich Anlass meine TV-Konzeptidee dort einzureichen. Bin gespannt was die Österreicher konzeptionell auf die Schiene setzen …

Die Klage über die Schärfe des Wettbewerbs ist in Wirklichkeit meist nur eine Klage über den Mangel an Einfällen

Walther Rathenau 1867-1922, Schriftsteller, Industrieller und Politiker

Konzeptidee

Dieses Zitat ist der Ansporn für die Kochteams, die als erfinderische „Galileos“ um einen Innovationspreis innerhalb eines vorgegebenen Konzeptrahmens buhlen. Währenddessen wird Hintergrundwissen über Zutaten und deren Kombinationsmöglichkeiten (Flavour- bzw. Food-Pairing) sowie die Grundlagen der Rezeptentwicklung anschaulich vermittelt.  Foodies mit Know How, eine Experten-Jury aus unterschiedlichen Bereichen der Food-Branche und das abschließende Zuschauervoting sorgen für  Unterhaltungswert, garantiert garniert mit Learnings und kulinarischem Überraschungseffekt satt.


 Kochshow mit Informationswert muss her: Fishing for Ideas

„Galileo in der Höhle der  ….“

Nun, wir denken bei diesem Arbeitstitel jetzt nicht an die berühmten Löwen, sondern an eine Jury aus unterschiedlichen Fachbereichen der Foodbranche, die die Rezepte nicht nur nach Geschmack und Aussehen, sondern auch hinsichtlich Erfüllung der Konzeptvorgabe beurteilen. Dabei soll der achtsame wissbegierige Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen des Food-Marketings und die systematische Vorgehensweise in der Rezeptentwicklung bekommen. Zudem ergänzen auch die Erkenntnisse der Geschmackswahrnehmung (Sensorik) und des Food Pairings dieses TV-Format. Somit eine populärwissenschaftliche Kochshow, welche für die Zuschauer idealerweise eine Symbiose der erfolgreichen TV-Doku „Galileo“ und  der TV Show „Die Höhle der Löwen“ sein könnte.

Das Duell: Die Kochteams, bestehend aus waschechten Foodies, treten gegeneinander an um eine Hauptzutat, z.B. Nüsse, (fermentierte) Gemüse, Fisch, oder auch scheinbar profane Zutaten wie Backerbsen in einem möglichst kreativen Rezept nach Konzeptvorgabe (z.B. „Weniger Zucker/Salz“, „Low Carb“ „Streetfood Style“) zu verarbeiten. Die Herausforderung ist es, die Hauptzutat mit weiteren Zutaten z.B. nach den Erkenntnissen des Food Pairing so zu kombinieren, dass ein möglichst neues Geschmackserlebnis innerhalb einer Kategorie (z.B. Suppe, Energieriegel, Snack, Dip, Getränk, Ready to Eat Gericht  etc) daraus hervorgeht. Die Zubereitungsmethode ist frei wählbar. Aha-Effekt bei den Zuschauern nicht nur willkommen sondern vorteilhaft für das abschließende Voting.

Die Kochteams (in Begleitung je eines Coaches) haben bereits in einem vorgegebenen Zeitrahmen vor der Kochshow recherchiert und in der eigenen Küche oder auch am Grill getüftelt, welche Zutaten miteinander kombiniert werden können. Die Zubereitungsmethode (z.B. Sous Vide Garen, Smoker, Grill etc.) ist frei wählbar. Falls die Zubereitung wie bei Sous Vide Garung über Stunden läuft darf vor der Show mit Vorbereitungen begonnen werden. Die Rezeptideen werden zum Auftakt  der Kochshow vorgestellt und konzeptionell erläutert, z.B. „Weniger Zucker/Salz“, „Against Foodwaste“, „Low Carb“ , „Low Budget Fine Dining“, etc.

Die Jury: Idealerweise sitzen im Jurorenteam Experten aus der Gastronomie, Food-Marketing und Foodstyling. Zudem gibt es noch ein Zuschauer-Voting für das beste Konzept und Food-Design. Beurteilt wird  nach drei Kriterien:

  • Geschmack:  Ein einzigartiges Geschmackserlebnis, dass nach „Mehr davon“ schmeckt und sich zudem vom Mainstream deutlich absetzt. Idealerweise ist das Rezept in dieser Konstellation bei Google im deutschsprachigen Raum nicht zu finden. Rezepte aus (exotischen) Länderküchen dürfen jedoch als Inspirationsquelle dienen. Solche Rezepte müssen maßgeblich mit einer weiteren Zutat modifiziert worden sein, damit das vorgestellte Gericht bzw. Produkt sich vom Original deutlich unterscheidet. Die Inspirationsquelle, z.B. Foodblogs, Kochforen, Kochbuch muss genannt werden und ist somit Teil der Konzeptpräsentation!
  • Aussehen/Plating: Die Hauptzutat soll idealerweise – sofern möglich- als der Eye-Catcher im Rezept inszeniert sein und/oder wird  in einem neuen Kontext wirksam mit „Wow-Effekt“ präsentiert. Bei flüssigen Hauptzutaten gestaltet sich diese Anforderung mitunter schwierig sofern sie mit anderen Flüssigkeiten vermischt wird. (Ausnahme-Regelung)
  • Anzahl der Zutaten:  Je weniger Zutaten in dem Produkt verarbeitet sind, desto besser. „Keep it Simple“ ist Trumpf. Gewürze und Salz, Süßungsmittel werden jedoch nicht mitgerechnet. Beschränkungen gibt es faktisch keine, jedoch gibt es ab einer Liste von sieben Zutaten Punktabzug. Bei weniger als sieben Rezept-Zutaten werden Pluspunkte verbucht.

Spaß muss sein

Unterhaltungswert und kommerzielle Aspekte

  • Der Blick über den Tellerrand hinaus veranschaulicht auf unterhaltsame Art, was mit gewöhnlichen Zutaten so alles hervor gezaubert bzw. kombiniert werden kann. Vielen Zuschauern wird so die Hemmschwelle genommen über ihren kulinarischen Schatten zu springen.
  • Sponsoring: Natürlich steht hinter so einer TV-Produktion auch ein großer finanzieller Aufwand, der von mehreren Unternehmen bzw. Lebensmittelherstellern getragen werden muss. Hersteller bzw. deren Verbände haben die Chance ihr Produkt  wie z.B. Nüsse, Getreide, Gemüse den Zuschauern in einer neuen oder neuinterpretierten Anwendung bzw. Rezept zu präsentieren.
  • Impulsgeber: Die Beurteilungen des Zuschauer-Votings und der Juroren könnten durch die große TV Reichweite frischen Input für innovative Lebensmittel geben, d.h. Neu-Entwicklungen und letztendlich kommerziellen Erfolg des Produkts/Hauptzutat bzw. für den Sponsor. Diese Vorgehensweise wäre somit quasi das Pendant für „Die Höhle des Löwen“ im kulinarisch innovativen Sinne. 
  • Nachhaltigkeit: In das TV-Konzept könnten sich auch Foodkonzepte hinsichtlich Vermeidung von Lebensmittelverschwendung integrieren lassen, beispielsweise mit haushaltsüblichen Resten aus dem Kühlschrank ein Gericht im Fine Dining Style entwickeln
  •  Das Gewinner-Rezept wird über die Social-Media Kanäle aller beteiligten Sponsoren und Mediapartner publiziert. Die Kochgruppe wird entsprechend prämiert.

Welche Art von Rezeptentwicklungen würde ich in  diesem Kochshow Format vorstellen?

Eine möglichst minimalistische Rezepturgestaltung mit aromatischen Zutaten nach dem Konzept „Clean Eating“ halte ich für interessant.

Beispiel Mandeln als Hauptzutat in einem Produktkonzept: In Kooperation mit dem Almondboard of California und der Marketing-Agentur Brandzeichen PR aus Hamburg hatte ich vergangenes Jahr ein Produktkonzept erarbeitet, welches kalifornische Mandeln als Hauptzutat  optisch wie geschmacklich in den Fokus stellt. Eine Auswahl der Rezeptentwicklungen bzw. Prototypen wurde auf der Messe FiE Europe 2017 in Frankfurt vorgestellt.

„Almond Fitness Balance“, ein naturnaher veganer Snackriegel mit ausgeprägten Röstnoten von Mandel und fruchtig milder Süße. Zutaten: Geröstete Mandeln, getr. Pflaumen, Kirschen, Äpfel, Pumpernickel, Zuckerrübensirup, Orangenolivenöl, Dinkelhaferflocken, Meersalz

Mediterrane Mandel-Chips: Mandeln|Weiße Schokolade|schwarze Olive
Mediterrane Mandelchips: Mandeln|Grana Padano|Rosmarin

Weitere Rezept-Konzepte mit diversen Hauptzutaten

Neue Anwendung für Backerbsen, die üblicherweise in der Brühe landen:
Bavaria Hotdog mit Crunch-Effekt
„Taste the Waste“ Konzept: Gebackene Schalen von Wurzelgemüse und Kartoffeln werden als Snack und Deko verwendet
Zuckerreduzierter Schoko-Snack: Tacos mit Schokoladenüberzug und Hanfsaat

Fazit

Meine Konzeptidee für ein neues Kochshow Format (Symbiose aus „Höhle der Löwen“ u. „Galileo“) ist sicherlich nicht einfach umzusetzen und erfordert eine Menge Know How. Zudem müsste im Vergleich zu bisherigen Kochshows ein komplexeres Bewertungssystem neu konzipiert werden, da sich das Jurorenteam aus unterschiedlichen Experten bzw. Fachbereichen der Foodbranche zusammensetzt. Falls sich so ein TV Format  tatsächlich realisieren lassen würde, könnte dies frische Impulse für die Entwicklung innovativer Food-Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel geben.  Für die Zuschauer und Sponsoren könnten sich neue Anwendungsmöglichkeiten bzw. Kombinationsmöglichkeiten mit der inszenierten Hauptzutat ergeben. Neue Foodtrends oder vielleicht auch doch nur ein Hype könnten darauf folgen.

Update 21.09.2018: Inzwischen habe ich freundliches Feedback von INTERSPOT erhalten. Die Konzeptidee wird für gut und „witzig“ befunden, ABER …sie lässt sich aus urheberrechtlichen Gründen nicht umsetzen, da das TV-Format bzw. Konzept „Die Höhle der Löwen“ rechtlich geschützt ist. Ein ähnliches TV-Format, wenn auch nur im Foodbereich, wird Rechtsstreitigkeiten zur Folge haben.


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