Pilz Rezepte und Buchbesprechung: Das Geheimnisvolle Leben der Pilze

Naturwissenschaftler forscht im Underground

Meine kulinarische Naturverbundenheit macht mich neugierig auf ein neu erschienenes Buch, das die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt beschreibt. Der Autor und Zoologe Robert Hofrichter ist seit Jahrzehnten  im Underground unseres Planeten so ziemlich wissenschaftlich unterwegs. Und zwar als Naturschützer, Journalist, Naturfotograf in Sachen Pilze. Nicht nur  naturverbundene Kulinariker  erleben sein Werk wie eine Reise in die weite Tiefe unseres Planeten. Im wahrsten Sinne des Wortes:   Der Leser betritt das geheimnisvolle Öko-Universum der Pilze, die über ein weites unterirdisches Geflecht mit der Natur kommunizieren. Schon das Inhaltsverzeichnis liest sich wie ein Krimi und verspricht Kopfkino, z.B.  „Überhören Sie das Pilzgeflüster nicht!“ oder „Ötzis Reiseapotheke“

Pilz Rezepte

gibt es in Hofrichters populärwissenschaftlichen Buch  keine. Muss auch nicht sein, denn dazu gibt es schon genügend Publikationen. Im Anschluss meiner Buchbesprechung gibt es als Ergänzung eine Zusammenstellung aller meiner bisher veröffentlichten Pilzrezepte, größtenteils in ungewöhnlichen Kombinationen.

Nun zum Inhalt

Auf meiner Wanderung durch eine Welt voller verblüffender Phänomene, vielfältiger Symbiosen und erstaunlicher Zusammenhänge, gefällt mir, wie mich der Pilzflüsterer Hofrichter lehrt, die Natur mit „neuen“ Augen zu erleben.

 

Mir geht es darum, auf unserer Wanderung auch in Ihnen die Entdeckerlust zu wecken, die mich wie jeden Wissenschaftler antreibt. So möchte ich Ihnen Mut machen, den Geschichten der Pilze zu lauschen. Vielleicht werden Sie am Ende des Buches dann mit mir unser oft so auf den Menschen bezogenes Weltbild um einige mykozentrische Aspekte ergänzen.“ So beschreibt Der Autor Hofrichter seine Motivation, ein kurzweiliges Buch über Pilze zu verfassen.

 

Weitgehend bekannt ist der toxische Aspergillus Niger wie auch der berühmte Penicillium der  unserer Medizin ein Antibiotikum geschenkt hat. Aber weniger bekannt dürfte die Verwendung einiger Spezies in der Entwicklung von Waschmitteln sein, die bei niedriger Waschtemperatur auch Fettflecken bestens entfernen. Industrielle Enzymproduktion durch Mister Fusarium, ein Schlauchpilz, den man besser nicht isst aber gerne als Arbeiter bzw. als „Putzteufel“ nutzt.

Die Männlein im Walde

Die Aristokratie der Pilz-Welt tummelt sich natürlich nicht in einer Waschmittelfabrik sondern in der gehobenen Küche der Kulinariker. Ja, auch die Fungi-Welt (so der wissenschaftl. Name) ist offensichtlich unterteilt in soziale Klassen. Trüffel, Kaiserpilze, Steinpilze und Parasol sind neben unbezahlbaren Pilzadeligen wie Tibetische Raupenpilze die Crème de la Crème, immer am „Place to be“. Teilweise wirklich eine echte finanzielle Herausforderung, dafür aber Garant für einzigartig aromatische Höhenflüge. Vor allem wenn Ernte und Verzehr innerhalb eines Tages stattfindet, also eher selten wenn ihr nicht Pilz-Nerd seid.

 

Die Kern- Botschaft: Ohne Pilze kein Wald, ohne Wald kein Leben! Wer hätte gedacht, dass die Untergrundorganisation der Pilze für den Stoffwechsel der Natur Aufgaben übernimmt, beispielsweise im Bereich Medizin, Atomtechnik, Recycling oder Verkehrstechnik? Offensichlich sind sie die wahren Herrscher unseres Planeten. Wie im „richtigen“ Leben gibt es auch in diesem Underground  Bösewichter und Heilsbringer.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Pilze sind teilweise atemberaubende Superlativen. Hofrichter versteht es den naturverbundenen Leser zu fesseln. Anschaulich und durchgängig auf allen 228 Seiten, an welche die „Anmerkungen“ und ein Register mit wissenschaftlichen Namen abschließend  anschließen. Wer glaubt die Wale seien die größten Lebewesen, der irrt. Tatsächlich sind es die vermeintlich „kleinen“ Pilze! Warum? Durch ein unterirdisches Geflecht (Mycel) erreichen sie als Gewächs eine zusammenhängende Fläche von 500 mal 800 Metern. Wo? Im Schweizer Nationalpark in der Nähe des Ofenpasses. Name? Mr. Hallimasch, ein unbeliebter schadhafter Pilz, der zunächst Baumstümpfe befällt und dann ganze Bäume mit seinen gelben Fruchtkörpern sterben lassen kann. So der Erklärbär auf Seite 34.

Der Bildteil zeigt exotische genießbare Pilze, die aber vermutlich nur Hardcore Pilzfreunden bekannt sind,  z.B. der violette Rötelritterling der nur gegart verzehrt werden sollte. Das Buch versteht sich nicht als Bestimmungsbuch! Denn davon gibt es genügend. Gäbe es die Kategorie Pilz Kultur-Reiseführer, würde ich es dort einordnen.

  • Titel: Das geheimnisvolle Leben der Pilze. Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt
  • Autor: Robert Hofrichter, Biologe und Journalist
  • 240 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag; mit 16-seitigem vierfarbigen Bildteil
  • ISBN 978-3-579-08676-7
  • Preis: € 19,99 (D), € 20,60 (A), CHF 26,90
  • Gütersloher Verlagshaus
  • Erscheinungstermin 22.Mai 2017

 

Fazit

Ein wissenschaftlich fundiertes Buch für alle Naturfreunde, die daheim naturnahes Kopfkino erleben möchten. Hat mich überzeugt, erstaunt und unterhaltsam schlauer gemacht. Bei meiner nächsten Waldwanderung kommen mir bei Pilzduft nun ganz neue Gedanken.

Dank an das Gütersloher Verlagshaus, das mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

 

Getrocknete Pfifferlinge sind ein intensives Würzmittel, oft auch pulverisiert

Meine Pilz Rezepte

hier eine Auswahl meiner bisher veröffentlichten pilzigen Kreationen.

Foodpairing: Pilze /Zitronenverbene

Einfach mal zwei  Zweige Zitronenverbene in den Topf zum Pilzragout geben. Die feine zitronige Note harmoniert mit Pilzen, da keine Säure enthälten ist.

Rezept Herbstliche Kürbiscremesuppe, Variation mit Pilzen und Kürbiskernöl (Rezept hier)

Veganer Brotaufstrich: Pilze in einer  Auberginecreme. Die Aubergine wurde zuvor 45 Minuten in der Folie gegrillt und mit Zitronenverbene aromatisiert (Rezept hier)

Veganes Pilzragout: Gebratene Kräuterseitlinge auf mediterraner Auberginencreme, Rezept hier

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