Protein-Krieg im Schlaraffenland?

In einigen Gebieten dieser Welt tobt seit Jahren ein (Bürger-)Krieg. Meist geht es um streitbare (dogmatische) Verfassungen, Ideologien, Öl-ympia und/oder die Frage welcher Gott denn nun der einzig wahre sei. In der sogenannten zivilisierten westlichen Welt sind wir derzeit noch nicht so weit, – von einzelnen Unruhen und „Gefahrenzonen“ abgesehen. Es gibt im „Schlaraffenland“ ein facettenreiches kulinarisches Angebot den Bauch (über das Maß hinaus) regelmäßig zu sättigen. Und wer satt ist, geht nicht rebellieren, … bisher jedenfalls.

Das Wort Krieg bedeutet ursprünglich „Hartnäckigkeit“ und „Streit“ (laut Wikipedia). Genau das offenbart sich seit geraumer Zeit in Internetkochgruppen, z.B. auf facebook oder auch in Postings auf (veganen) foodblogs. Man ist gesättigt und predigt dogmatisch, welche Proteine und Zutaten kulinarisch korrekt sind oder welche Ernährungsform den Klimawandel aufhalten kann. Irgendwo hat man mal von irgendeiner Lobby etwas gelesen warum vegane, vegetarische, E-Nr freie oder carnivore Ernährung das Beste für uns alle sein soll. Die Säkularisierung hatte einst die Basis vieler Innovationen unserer heutigen Zeit geschaffen –  offensichtlich aber auch den Grundstein für Ersatzreligionen wie Ernährungsformen und Diäten gelegt. So ganz ohne Religion fühlen sich einige Menschen scheinbar nicht wirklich gut.

Sojawurst oder auch nicht! Proteine müssen schmecken …

Eine Esskultur ist dann kulinarisch korrekt, wenn sie von allen Menschen gelebt werden kann. Und genau das trifft leider auf keine Ernährungsform zu. Nicht jeder Organismus verträgt fleischlastige, vegetarische oder vegane Kost. In einigen Kulturkreisen gibt es seit Jahrhunderten dogmatische Vorschriften was in den Bauch rein darf oder Standards geben vor was als Delikatesse gilt, mancher mag da nur schmunzeln oder sich ekeln. Die Essensreligionsanhänger von heute ernähren sich aus (scheinbar moralischer) Überzeugung oder auch aus Verunsicherung nach den ungeschriebenen Gesetzen. Die scheinbar intellektuelle Elite  is(s)t trendbewusst: ökologisch, ökonomisch korrekt, regional und saisonal! Sie unterscheidet sich  von den „unteren“ Schichten:  Fast Food, Fertiggerichte und Softdrinks sind No Go. Und bei billigem Fleisch aus Massentierhaltung wird die Nase gerümpft. Denn als Gourmet vergisst man, dass  Geringverdiener-Familien oder Empfänger von Sozialleistungen sich selbst dieses Fleisch  genauso wenig leisten wie ein Besserverdiener sein Dry Aged Beef.

Spätestens seit dem Film „Das Leben des Brian“ wissen wir, dass jede Glaubensrichtung sowohl ihre Splittergruppen als auch ihre Missionare hervorbringt. Und deren postsäkulare Bibel sind Nährwert- und Inhaltsstoffangaben, Zertifikate und/oder das Bestseller-Buch „Tiere essen“. Es werden für das gute Gewissen viele Kilometer (Öko-Sprit) verfahren um das ökologisch korrekte Gemüse oder Fleisch vom Bauern zu organisieren. Natürlich wird täglich  E-Nr. frei ohne „Chemie“und frisch gekocht, Zutaten wie Soja kommen irgendwo aus Brasilien und der Bio-Reis bzw. die Kokosmilch für die vegane Suppe kommt meist aus Asien. Und veganes Hundefutter gibts tatsächlich hier, in China wäre das ein Aprilscherz. Im Schlaraffenland kommt mir das alles wie eine realexistierende kulinarische Komödie. Realsatire ist aber oft bitterernst und makaber.

Jedes Verhalten, dass nur einer Gruppe, Lobby etc. einen Vorteil bringt, kann nicht gut für alle sein, es ist die Keimzelle von Krieg und/oder Krankheit. Es kommt auf die Mischung aller Interessen an. Das wusste schon Paracelsus vor einigen Hundert Jahren: Es ist die Dosis, die ein Gift sei. Und frei nach dem Philosoph Kant:  Kann euer Lifestyle, die ganze Menschheit ernähren? Dann seid Ihr auf dem richtigen Weg. Ist dem nicht so? Dann freut Euch, wenn es viele Andersdenkende gibt, die sich nicht so wie Ihr ernähren, denn so besteht die größte Chance, dass sich die Nachteile der einzelnen Ernährungsformen ausgleichen.

Wird eine gegenseitige Toleranz hinsichtlich Ernährungsform nicht zum Maß in der Kulinarik, dann ist das aktuelle distinguierte Geschwätz einiger (besser verdienenden) Ernährungsapostel nur die Vorstufe für einen perversen Glaubenskrieg innerhalb der Wohlstandsgesellschaft. Eine Vision:

Nachdem ein Veggie-Day per Gesetz verordnet wird, kommt es zu Ausschreitungen vor einer gut besuchten Clown-Burger-Bude. Adipöse Junkfoodisten begehren auf und stopfen sich aus Protest bei einem Flashmob fünf XXL-Mäccies innerhalb von zehn Minuten rein. Die radikal „veganistische Fitnessfront“ findet das gar nicht gut und beschließt umgehend in allen örtlichen Burger-Filialen  eine gehörige Duftmarke mit ordentlich Chili-Spray zu legen. Das erbost wiederum einige Vegetarier, schließlich gibt es dort ja auch vegetarische Burger zu kauen.

Tage später liefern sich Veganer und Vegetarier vorm bAldi eine Schlacht mit Kürbissen bzw. Bio-Eiern (L-Size). Von nun an ist es Usus als Carnivore  seinen Aufschnitt an der Fleischtheke verteidigen zu müssen, luftgetrocknete Salamistangen verursachen oft schwere Kopfverletzungen bei Veganern und Vegetariern. Irgendwann eskaliert die Situation gänzlich und der erste Schuss fällt: Schweine werden im Münsterland von den Ultra-Veganisten aus den Ställen befreit und sogleich von den Carnivoren auf offener Straße und auf der A1 erschossen. Die gemäßigte Veganer-Fraktion billigt die Aktion: „Free Animals, Tierhaltung ist genauso wenig akzeptabel wie einst die Sklavenhaltung“. So, jetzt haben wir den Salat, der Gewissenskonflikt ist medial inszeniert und sitzt nun fest in noch mehr Köpfen! (Anm.: Die weißen Herrschaften hielten/sahen die  Sklaven tatsächlich wie/als Nutztiere). Das Gegenargument der Vegetarier: „Erhaltet die Arbeitsplätze unserer Milchwirtschaft“ und „Alles Käse“.

Die Flexitarische Regierungskoalition aus Vegetariern und Carnivoren spricht erstmals von einem „Protein-Krieg“, ist aber nicht in der Lage ihn unter Kontrolle zu bringen. Vielmehr streitet sie wie üblich mit sich selbst, beispielsweise ob der DO-Veggie-Day in den Kantinen auf SO- und Feiertage verlegt werden könnte, oder ob Fleisch-Kochkurse in der Schule  die Veganisten-Kinder motivieren anschließend lebhafter am Sportunterricht teilzunehmen. Und Massentierhaltung wurde per Notstandsgesetzte so plötzlich abgeschafft wie einst Kernkraftwerke stillgelegt. Gammelfleisch gibt es tatsächlich auch nicht mehr, es wurde obsolet. In den (Fertiggericht)-Skandalen der „kulinarischen Neuzeit“ empören sich jetzt die Medien über Discounter Bio-Fleisch, das mit  hygienisch-einwandfreiem Fleisch aus Nicht-EU-Massentierhaltung  verpanscht wurde. Kann natürlich nicht sein, … shit happens!

Rülps, … hoffentlich war das alles nur ein böser Traum 😉 Zurück zum Genuss! Rezepte – egal mit welchen Proteinen – machen trotz allem aber auch Spaß wie z.B. diese veganen hier Blue Velvet Soup oder Fenchel Garam Masala Soup. Die Carnivoren, die ihr Gewissen beim Fleischverzehr hinsichtlich CO2 Belastung beruhigen wollen, würzen mit Curry gegen den Klimawandel oder so, nun denn … Frieden jetzt den Proteinen!

Ähnliches zum Thema bei NutriCulinary http://nutriculinary.com/2014/02/05/sind-wir-nicht-alle-andersesser-kleines-plaedoyer-fuer-mehr-kulinarische-weitsicht/#comments

Und hier eine Alternative was anstelle eines Veggie-Days undogmatisch breitere Schichten zum Umdenken bewegen könnte:  Der Tierfreitag  und die Idee dahinter

tierfreitag

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