Regional Foodhunter (V): „Die 25 schönsten Kräutergärten im Südwesten“

Der Buchtitel beschreibt genau das, was sich zwischen den Buchdeckeln des handlichen Hardcovers eindrucksvoll zeigt: Eine anschauliche wie auch unterhaltsame Dokumentation der südwestlichen Kräutergärten unserer Republik. Fans der Kräuterküche, die heilkräftiges Kraut nicht nur gerne in ihre Ernährungsweise integrieren, sondern deren Duft und bildhafte Vielfalt auch naturnah erleben wollen, entdecken mit diesem Buch gar den ersten Kräutergarten-Reiseführer des Südwestens.

„Die 25 Gärten in diesem Buch sind vor allem danach ausgewählt, wie stark sie mein Herz angesprochen haben.[…] Nur, wer die Pflanzen mit all seinen Sinnen erlebt, kommt ihnen wirklich nahe.“

Buchrezension

Mit diesem Zitat aus ihrem Vorwort motiviert die Autorin und Kräuterpädagogin Marion Reinhardt Natur- und Kräuterfreunde wie mich, einen Ausflug in die kultivierte regionale Kräuterwelt zu unternehmen. Regionale Entdeckungsreisen! Auf ihrer  176 Seiten umfassenden Reise ordnet sie die an ihr Herz gewachsenen Gärten auf illustre Art in vier Kategorien:

  • Heilpflanzengarten, d.h. Beete die nach Indikationen oder Inhaltsstoffen gruppiert sind
  • Bauerngarten, eine kultivierte Mischung von Obst, Gemüse, Küchen- und Heilkräuter zwecks Selbstversorgung oder Marktverkauf
  • Kräutergarten, eine vielfältige Mischung von Küchen-, Gewürz-, Heil- und Wildkräutern
  • Klostergarten, d.h. individuelle Anlage hinsichtlich Form, Pflanzenauswahl und Themen, wie z.B. biblische Pflanzen, Hildegard von Bingen.

 

Die Kräutergärten in unmittelbarer Nähe

Nach dem Vorwort bin ich so ziemlich neugierig geworden und lese zunächst über die Gärten aus meiner näheren Umgebung. Hervorheben möchte ich hier drei Beispiele aus den beiden letztgenannten Kategorien.

Die Historie der beiden Klostergärten aus der Bodenseeregion ist nicht nur gut recherchiert, sondern auch unterhaltsam vermittelt. Als Wahl-Konstanzer kenne ich den 16 Beete umfassenden  „Hortulus“ auf der  Insel Reichenau livehaftig. Mir war aber nicht (mehr) bewusst, dass die Anlage in ihrer schlichten Art als Muster aller klösterlichen  Kräutergärten gilt. Vor diesem Hintergrund erkenne ich diesen duftenden Teil des UNESCO Weltkulturerbes beim nächsten Besuch mit anderen Augen: Die Wiege der europäischen Gartenkultur befindet sich in meiner Nähe, nämlich ca 10 km Luftlinie von meiner Kräuterterasse entfernt auf der Reichenau, woow!

Gleichermaßen gibt es eine weitere mir bisher unbekannte Geschichte, ca 30 km entfernt. Auf der Halbinsel Höri, im Berg-Dörfchen Öhningen-Schienen (ca 700 HM) befindet sich mit ca. 60 qm der wahrscheinlich kleinste unter den klösterlichen Kräutergärten, … und zwar an einem keltischen Kultplatz. Unzählige male bin ich mit dem Rennrad die Abfahrt durch das Dorf  gesaust, aber habe  genau deshalb die Besonderheiten dieses beschaulich mystischen Schmuckstücks nie entdeckt. Daher sollte ich beim nächsten mal dort einen Zwischenstopp einlegen, um vielleicht „die Kraft, die von diesem Ort ausgeht zu spüren„, so der Besitzer Georg Johannes Maier, der dort in einem umgebauten Kirchenschiff lebt.

Dessertkraut Lemon Basilikum

Als drittes und letztes Beispiel für die Autentizität von Frau Reinhardts Werk nun die Duft- und Kräuterpflanzengärtnerei Syringa in der Vulkanlandschaft Hegau bei Singen.  Die regelmäßigen Leser meines Blogs sowie viele Kunden von Syringa wissen, dass ich dort während der Kräutertage Ende Mai/Anfang Juni seit sechs Jahren meine leichte Kräuterküche präsentiere. In meinen Kochshows integriere ich selten aromatische Kräuter auf meine unkonventionll genussvolle Art  in Speisen und Getränken. Die Autorin geht in diesem facettenreichen und farbenfrohen Kräutergarten „immer der Nase nach“ und  entdeckt sowohl angenehm duftende Blütenpracht wie auch das krasse Gegenteil davon. Vermisst habe ich allerdings in ihrem Beitrag den Hinweis auf die von mir favorisierten einzigartigen Dessertkräuter“ wie z.B. Ananassalbei, Fruchtsalbei, Lemonbasilikum und Lemonaniskraut. Auch als Fotografin überzeugt die Autorin, indem sie die Stimmung des kunstvoll gestalteten Kräutergartens Syringa bildhaft transportiert. Dazu schreibt sie, daß man dort “ die hektische Außenwelt vergessen kann“. Stimmt, … so habe ich in Hilzingen-Biningen die Oase der Duft- und Kräuterpflanzen selbst erlebt!

Ananas-Salbei schmeckt tatsächlich nach Ananas

Fazit

Das Buch ist nicht nur sehr unterhaltsam und informativ, sondern ist für Kräuterfans auch ein Anstupser die Welt der Kräutergärten live zu erschnuppern bzw. zu begreifen. Die Besonderheiten dieser Orte sowie ihre Gärtner werden stimmungsvoll charakterisiert, zudem mit Kurz-Info und ansprechenden Bildern illustriert. Somit bin ich dankbar für diesen  aussagekräftigen Reiseführer durch die südwestliche Duft-Botanik bzw. durch den aromatischen Teil unserer Landschaften!

Insgesamt 25 Kräuterportraits mit speziellen Rezepten machen das Buch  für alle diejenigen (Hobby-)Köche zum „must have“, die sich eingehend mit der regionalen Kräuterwelt abseits von Petersilie und Schnittlauch vertraut machen wollen. Rosmarin-Honig-Senf, Hustentee mit Königskerzen oder Brennessel-Lachs-Lasagne machen neugierig auf eine Geschmackswelt abseits des Mainstream. Die Übersicht findet sich in einem Kräuterverzeichnis im Anhang.

Auch wenn es das Wort „Kräuter-Tourismus“ bisher offiziell nicht existiert, der Impuls dazu könnte mit dieser Publikation durchaus erfolgen.

Das Buch wurde mir auf meine Anfrage hin vom Südverlag aus Konstanz kostenlos zur Verfügung gestellt. Danke dafür!

  • Titel: Die 25 schönsten Kräutergärten im Südwesten
  • Autorin und Fotografin: Marion Reinhardt, Kräuterpadagogin, Heil- und Wildpflanzenexpertin, Journalistin
  • ISBN 978-3-87800-101-0, Hardcover, 176 Seiten
  • Preis: 24,00 €

 

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