Gasgrill und uriger Rauchgeschmack, wie funktioniert´s?
Dieser Beitrag zeigt einen Lösungsansatz, wie mit einem Gasgrill ein feines Raucharoma auf das Grillgut gezaubert werden kann. Die Grill-Gemeinde ist ja bekanntermaßen in eine Gas- und Holzkohle-Fraktion gespalten. Letztere möchte das archaische Raucharoma und das urige Flair nicht missen und nimmt dafür verständlicherweise den höheren Arbeitsaufwand mit einem Holzkohle-Grill (gerne) in Kauf. Gas-Griller wollen nicht mit Holz(kohle) und nachher mit deren heißen Asche hantieren, vermissen aber meist den aromatisch-hölzernen Smoke. Unsere Vorfahren hatten ihn seit Jahrtausenden immer dann in den Klamotten, aber schätzten ihn auf dem Fleisch so wie wir heute noch.

Dieses Rauch-Dilemma ist nicht alternativlos, … ja man kann sich dem mit einfachen Tricks entziehen! Nein, … nicht ausgezogen mit Badehaube nackert am Holzkohle- Grill stehen und seine Asche am Ende einfach irgendwo verstreuen lassen. Und ja, … natürlich ist meine keine 100% Lösung: Archaisches Flair bzw. Raucharoma kommt „nur“ olfaktorisch rüber, d.h. straight into the nose and finaly an den Gaumen. Dafür nicht in die chice Bluse, in das Holzfällerhemd und in die Frisur.

Aber, … mein alternatives Rauch-Konzept ist ein durchaus leckerer Kompromiss zwischen Geschmack und Arbeitsaufwand! Drei Varianten möchte ich hier vorgestellen. Die Neugierigen aus der Gasgrill-Fraktion probieren es aus, die Hard-Core Griller werden wahrscheinlich jetzt die Nase rümpfen ….

Variante 1: Feine Räucherholzspäne bringen den Geschmack auf Fleisch, Fisch und Gemüse. Eingefüllt in einen kleinen Metallsieb, wird dieses holzige Rauchzubehör mit einem Kerzenanzünder zum Glühen gebracht. Es gibt verschiedene Aromahölzer die auf einem Gasgrill verwendet werden können, wie z.B. die feinen Holzspäne von Smokewood (auch mit Rotwein oder Whisky Aroma erhältlich). Meist sind es Buche oder Eiche, manchmal auch sehr edles Kirschbaumholz, das seinen hölzernen Spirit dem Grillgut „einhaucht“.

So geht Räuchern auf dem Gasgrill
- Gasgrill bei geschlossenem Deckel 5 Minuten auf kleiner Flamme vorheizen
- 3 TL Räucherspäne in einen kleinen Metallsieb einfüllen und diesen mittig auf den Grillrost setzen
- Mit einem Kerzenanzünder entflammen
- Aromaholzspäne gleichmäßig an- bzw. vorglühen
- Grillgut auflegen, vorher mit Olivenöl einpinseln
- Grilldeckel bzw. -klappe zu, Gasgrill auf mittlere Flamme einstellen
- Während des Grillvorgangs (ca. 12 -15 Minuten bei Gemüse) die hölzernen Raucharomen mit dem Grillgut spielen lassen
- Zwischendurch nach ca. 8 Minuten Grillgut einmal wenden und dabei den feinen Rauch schnuppern
- Grillgut auf die Teller verteilen
- Grillgut genießen
- Sich während des Genießens vorfreuen, dass am Ende der Grill-Session ganz wenig Aschestaub easy entsorgt wird


Variante 2: Auch ohne das zuvor genannte Rauchzubehör bekommt man einen Rauchgeschmack in´s Fleisch! Vorausetzung hierfür ist allerdings der Besitz eines schottischen Whiskys mit rauchig torfigem Geschmack, also nur eine Variante für die echten Whisky-Fans. Einfach z.B. Spieße von rotem Fleisch je nach Größe der Stücke mindestens 30 bis 60 Minuten in einem solchen Whisky marinieren. Die kostbare Marinade wird anschließend für eine braune Fleischsoße verwendet, Rezept „Wie Bambi zum Whisky kam“. Es ist quasi eine aromatische Light-Version die keine echte Beräucherung ersetzt, trotzdem ein Geschmackserlebnis freihändig schottischer Art offenbart.
Variante 3: Der Vollständigkeit halber sei diese Art des „Räucherns“ erwähnt. Verwendung von Rauchsalzen, wie z.B. Eichenholzrauchsalz. Nach dem Grillen einfach etwas vom Rauchsalz über das Steak streuen. Nun ja, … Rauchgeschmack ist erkennbar, aber es ist geschmacklich die Ultra-Light Version aller Beräucherungen. Empfehlenswert für Steaks aus der Grill-Pfanne, wenn echtes Grillen sich einfach nicht realisieren lässt bzw. zur vorgeschmacklichen Freude auf die lang ersehnte nächste Grill-Session. Als Booster für „echt raucharomatisiertes“ Grillgut schmeckt´s Räucherfans, die nicht genug Rauch abbekommen natürlich auch.
Variante 4: Gas-Grillen auf dem durchnässten Räucherbrett aus Zedernholz. Marinierte Garnelen und Mangowürfel wurden auf dem vorgeheizten feuchten Brett gegart. Das Aroma ist deutlich erkennbar, jedoch überzeugt mich die Garmethode in diesem Fall nicht mit einem Woow-Efffekt.

Abschließend noch der Hinweis bzw. zur Erinnerung: Es gibt inzwischen unzählige BBQ Saucen die mit unterschiedlich ausgeprägten Raucharomen (kondensierter Rauch) versehen sind. Der Pate all dieser BBQ Saucen sind die USA. Dort gibt es große Hersteller die sich ausschließlich auf die Herstellung von Rauchkondensaten spezialisiert haben. Für die Freunde des ausgeprägten Hickory-Rauchgeschmacks sind diese Comic-Saucen zweifelsohne nicht Ohne. Aber auf einem richtig guten Fleisch mit ausgeprägtem Eigengeschmack, wie z.B. Dry Aged Beef oder Iberico-Schwein haben die m.M. nichts verloren, wobei wir wieder eher beim authentischen Räuchern mit Holzspänen bzw. BBQ-Smoken wären.
Fazit
Gut Holz, … auch auf dem Gasgrill!