Einfach Essen! Gegen den Ernährungswahn in unseren Köpfen

Es gibt unzählige (vermeintliche) Experten, die uns die „einzig wahre“ Ernährungsform verklickern wollen. In der allgegenwärtigen kontrovers geführten Debatte zeigt uns das neue Buch von Prof. Vilgis einen Weg vom Ursprung unserer Esskultur bis hin zu den vielfältigen Ernährungsformen unserer Zeit. In zahlreichen Beispielen beweist er, warum bestimmte Lebensmittel gar nicht so böse sind wie oftmals von Interessensgruppen dargestellt. Naturwissenschaftlicher Faktencheck. Der Leser hat die Chance dem Ernährungswahn mit „Einfach Essen! “ zu entkommen.

DER AUTOR

Der renommierte Wissenschaftler Thomas Vilgis, der u.a. die Standardwerke „Die Molekülküche“ und „Aroma – die Kunst des Würzens“ * verfasst hat, ist ein ziemlich ambitionierter Hobbykoch. Das erkennst du in seinen Ausführungen im Unterkapitel „Am Boden bleiben- und Neues probieren“. Ursprünglich ist Vilgis Physik Professor am Max Plank Institut in Mainz und führt eine Gruppe „Soft Matter Food Physics“. In seinem aktuellen Buch hinterfragt er auf teils humorvolle Art die verrückt gewordene Welt der Foodbranche.

Einfach Essen! Gegen den Ernährungswahn in unseren Köpfen

  • Hirzel Verlag, 10/2020
  • Einband: Gebunden
  • ISBN-13: 9783777628455
  • Umfang: 292 Seiten
  • Sonstiges: 25 farbige Abbildungen
  • Gewicht: 491 g
  • Maße: 216 x 147 mm
  • Stärke: 25 mm
  • Erscheinungstermin: 13.10.2020

Preis: 26 €

Einfach Essen! Buchcover

Ernährungsstudiengläubige picken aus vielen fragwürdigen Veröffentlichungen ihre ganz persönlichen Rosinen und stricken daraus Ratgeber, Kompasse und Pyramiden

Prof. Thomas Vilgis

ERSATZRELIGION

Konsens in der Foodbranche unter Ernährungspsychologen: „Essen ist zur Ersatzreligion mutiert“. Marketingstrategen jubeln, zitieren „Studien“ und stricken marktschreierische Konzepte, individuell abgestimmt auf die Community und ihr zugehöriges Dogma.

Menschen, die nach Orientierung im Food-Dschungel suchen, kennen die teils widersprüchlichen Aussagen in den Food-Medien und die tollen Werbebotschaften der Heilsbringer. Viele verzweifelte Menschen sind per Brainwashing auf kuriose Ernährungsformen eingestimmt worden und fühlen sich dabei so lange gut bis die Nebenwirkungen bzw. der Verzicht auf liebgewonnenen Genuss unerträglich werden. Die Suche nach alternativen Ernährungsformen geht weiter. Die nächste Sau, die durch das Dorf gejagt wird, kommt. Geldmaschine läuft und läuft.

ABSURDISTAN

Beispiele finden sich in seinem neuen populärwissenschaftlichen Buch in dem Kapitel „Gegenwart“. Viele der schwurbeligen Thesen der Ernährungsgurus widerlegt er mit seinem Faktencheck, mit insgesamt 361 Quellenangaben im Anhang. So beispielsweise „Acrylamid und der Tod durch Erhitzen“ auf Seite 76. Seit der Veröffentlichung einer fragwürdigen Studie aus Schweden wird von einigen Aposteln Panik verbreitet: Alles ist seither böse angefangen beim Brot, malzig schmeckenden Bier, Kaffee, über Pommes, Rösti bis hin zur Zartbitterschokolade. Mit Panikmache und Hetze lässt sich der Glaube einer Gemeinde festigen. Das wusste schon die Kirche zur Zeiten der Inquisition.

Alles was im Herstellungsprozess geröstet wurde enthält unvermeidbares Acrylamid. Es wurde plötzlich seit dem Jahr 2000 als krebseregend deklariert, nachdem die Menschheit mit dem Rösten und Grillen bereits in Urzeiten begann, echt leckere Schmeckung in ihren abenteuerlichen Paleo-Alltag zu integrieren. Seltsamerweise ist das Durchschnittsalter weltweit seither gestiegen, in der pommesgenährten BRD sogar inzwischen auf ca. 80 Jahre. Einfach essen?

In unserem „Frei von..“-Zeitalter, ist Genuss und Sinnlicheit unerwünscht, schimpft Vilgis und belegt, dass jene Acrylamid-Studie (mit Laborratten) bestenfalls eine Halbwahrheit ist. Der Trend „Frei von …“ geht hier ad Absurdum: Frei von aromatischen Röstaromen, die die gehobene Kulinarik seit jeher bestimmen! Jetzt ganz böse.

Die Hardcore-Fraktion geht auf Nummer Sicher mit „Roh & Vegan“, … bei 42°C ist Schluß. Deshalb bringt der Hyperinnovationswahn auch eine Schokolade für vegan lebende Rohköstler hervor, technologisch nicht machbar, aber Marketingleute schaffen das. Spaßbefreit, „Schokolade“ teuer verkauft. Gleiches gilt für veganen „Käse“, der sich mit vielen Zusatzstoffen (E-Nummern) und übermäßig hohem Salzgehalt profiliert. Früher verufen als skandalöser Analog-Käse auf Billig-TK-Pizzen, heute so teuer wie aromatischer Rohmilchkäse.

Damit “ Einfach Essen! “ neben dem Fachwissen zudem auch kulinarischen Spaß vermittelt, gibt Vilgis in vielen Kapiteln Einblicke in seine Geschmackswelt mit vielversprechend aromatischen Rezepten. Neugierig macht mich die „Lachsforelle, scharf gebeizt mit Liebstöckel/Minze Creme“. Flavour-Pairing und Fermentation in Union.

DAS INHALTSVERZEICHNIS

„Einfach Essen!“ gliedert sich in die Kapitel

  • Vergangenheit
  • Gegenwart
  • So kann es nicht weitergehen
  • Zukunft

Mit seinem unterhaltsamen Schreibstil und seiner Kompetenz öffnet der Autor dir die Augen. Seine süffisante Gesellschaftskritik, gewürzt mit kulinarischer Satire lässt dich stets schmunzeln. Aha-Effekte kommen so besser zur Geltung. Zudem werden in den Unterkapiteln ausgefallene Rezepte vorgestellt, mit denen der Aromen-Experte Vilgis ungeahnte Überraschungsmomente verspricht. Im letzten Kapitel finde ich seine Ausführungen/Kommentare zu den Visionen der Foodbranche spannend zu lesen. Hoffentlich wird nicht alles so eintreten, wie sich das große Investoren erhoffen, so seine Meinung (z.B. In Vitro Fleisch). Die Verzehrsgewohnheiten werden/müssen sich gewiss ändern, wenngleich die Menschheit anders tickt als viele Marketingleute denken. Nicht ohne Grund liegt die Flopprate bei Neuprodukten bei sagenhaften 80 bis 90%. Einfach Neues zu essen scheint für breite Teile der Überflußgesellschaft nicht so einfach zu sein.

Warum Lesen?

Was mir an seinen Büchern besonders gefällt, ist seine fundierte Fachkenntnis über molekulare Zusammenhänge, die in Lebensmitteln immer eine Rolle spielen. Mit seiner Didaktik und vielen grafischen Darstellungen kann er die Komplexität auf populärwissenschaftliche Art sehr gut vermitteln. In seinem Schreibstil lässt sich süffisante Gesellschaftskritik, gewürzt mit kulinarischer Satire nicht verbergen. Zudem werden in den Unterkapiteln ausgefallene Rezept vorgestellt, mit denen der Aromen-Experte Vilgis ungeahnte Überraschungsmomente verspricht. Im letzten Kapitel finde ich seine Ausführungen/Kommentare zu den Visionen der Foodbranche spannend zu lesen. Hoffentlich wird nicht alles so eintreten, wie sich das große Investoren erhoffen, so seine Meinung (z.B. In Vitro Fleisch). Seine Erkenntnis: Die Verzehrsgewohnheiten werden/müssen sich gewiss ändern, jedoch die Menschheit tickt anders als viele denken. Einfach Essen scheint für breite Teile der Überflußgesellschaft aus soziokulturellen und „ideologischen“ Gründen nicht so einfach zu sein. Ernährungskompetenz, die leider in der Schule nicht vermittelt wird, würde hier helfen.

FAZIT

Schaut einfach mal in die zahlreichen positiven Bewertungen seiner anderen Bücher bei Amazon. Sein aktuelles Buch „Einfach Essen!“ ist ein „Must have“ für selbstbestimmte Leute, die sich nicht von Food-Gurus verleiten lassen wollen und schnell mal einen Faktencheck machen wollen. Daher auch empfehlenswert für Foodies und Journalisten, die im Zweifel Bestätigung abholen wollen, bevor sie ihr Umfeld oder Leserschaft unwissentlich in die Irre führen.

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