Fusion Cuisine: Asiatische Kräuter|Gemüse|Port-Wildsau

Fusion Cuisine: Hegau meets Macao

Fusion Cuisine ist seit Jahren ein Trend. Dieser Gemüse-Wok mit Port-mariniertem Wildschwein beeindruckt die geübte Zunge durch sein hegau-chinesisches Flair mit postkolonialem Touch. Exotische Kräuter, die in der Duft- und Kräuterpflanzengärtnerei Syringa im Hegau (zwischen Bodensee und Rheinfall) angebaut werden, machen den Einkauf im Asia-Shop fast unnötig, invertierte Globalisierung nenne ich sowas.

Asiatische Kräuter, Gemüse, Port Wildsau

Hegau-Chinesische Fusion Cuisine mit postkolonialem Geschmacksprofil

 

Port-Wildsau | Asiatische Kräuter | Gemüse-Wok

Zutaten für 2 Personen

  • ½ kleiner Chinakohl in Streifen
    oder ¼ kleiner Weißkohl, hauchdünn gehobelt

    • 2 Karotten, gestiftelt
    • 1 Rote Paprika, klein gewürfelt
    • 2 Frühlingszwiebeln, fein „geringelt“
    • 2 EL Pflanzenöl (Erdnuss, Sonnenblume oder Raps)
    • 1 cl Sojasauce (Kikkomann)
    • 100 g Wildspargel
    • 4 Zweige Chinesischer Gewürzstrauch
    • 2 große Blätter Perilla
    • 2 Blätter vietnam. Koriander, sehr fein gehackt
    • 6 lange Stengel Schnittknoblauch
    • 1 Zweig Thai-Basilikum
    • 2 Zweige Lemonaniskraut
    • 30 g Sprossenkeimlinge
  • 6 kleine Wildschweinmedaillons a 50 g
    • 100 ml Portwein
    • 2 TL Oystersauce
    • ½ TL Meersalz für die Marinade
    • ½ TL frisch gemahlener Pfeffer

Chinahouse-Folklore

War in den 70ern angesagt. Und zugleich die Initialzündung, die in Europa und in den USA die Asiatische Küche populär machte ! Damals realisierte das kollektive Bewusstsein noch nicht, dass die Welt bereits global is(s)t. Die Chinesen zeigten der Welt nur lustige Kung-Fu Filmchen, Frühlingsrollen gab´s nur beim Chinesen und nicht beim Discounter. Heute zeigen sie auf den internationalen Messen weit mehr als das, vor allem Kopien. Und gerne gönnen sie sich deftige Schweinshax´n auf dem Oktoberfest, egal ob in Shanghai oder in München. Im Gegenzug kaufen Deutsche im Asia-Shop, z.B. einen echten Wok für 10 € um ein Fusion-Rezept wie dieses wokken zu können.

Was vorher (vielleicht auch nicht) geschah

Leckeren Portwein importierten einst die Portugiesen in ihre chinesische Koloniestadt Macao, unweit von Honkong. Irgendwie fällt daraufhin dem dort ortsansässigen Metzger frühmorgens ein kleines Fleischmedaillon in seine abgestandene Portwein-Karaffe. Über diesen marinierten Fund wenig später zunächst erstaunt, isst er sowas – leicht medium gebraten. Er genießt es und freut sich über diesen kulinarischen Zufall. Zeitnah nur einen Kilometer davon entfernt, schwappte morgens einem vermutlich volltrunkenem Koch der rubinrote Port über das dunkelrote Steak in der Pfanne. Was auch immer damals der Trigger für diese traumhafte Fleisch-Marinade gewesen sein mag, der aromatisch fruchtig-süßliche Port im Fleisch überzeugte offensichtlich nicht nur eingefleischte Port-Trinker sondern auch bekennende Fleisch-Esser wie mich. Und Leser von Charles Bukowskis Romanen dürfen vermuten, dass diesem wild umtriebigen Schreiberling dieses Port-marinierte Wildschwein sicherlich auch geschmeckt hätte. „Ich trank Port“ gibt er zumindest auf jeder Seite gefühlt zweimal zu Papier, Vegetarismus traue ich soo jemandem nicht zu.

Nun denn, … die Inspiration zu dieser Fusion-Marinade entsprang während unserer Kochsession weder Bukowskis Zeilen noch meinem kulinarischen Sentiment, sondern kam spontan von Foodie Kyle, picked up somewhere in the culinary universe. Freihändig gekocht eben, … gekonnt!

Asiatische Kräuter Port Wildsau2

Geschmacksprofil

Port passt zur Wildsau, zum geschmacksneutralen Schwein aus dem Massenlager eher nicht! Das Gemüse kommt Dank der Hegauer Exoten-Kräuter aromatisch asiatisch: dezente Anisnoten tänzeln Backstage umringt mit zwanglos „wanzigem“ Koriandergeschmack, schüchterner Schnittknoblauch zeigt sich dezent, begleitet von elegantem Lemongeschmack des Lemonaniskraut. Perilla und Chinesischer Gewürzstrauch treten irgendwie unbeschreiblich schmackhaft auf die Bühne, Worte dafür fehlen mir hier. Die Geschmackspapillen bleiben verschont von Glutamat. Ganz und gar nicht a la Chinahouse „Die Nummer 92 bitte“. Einfach Fusion-Chinese-Cuisine. Ganz ohne die vermeintlich typisch chinesischen Zutaten wie Five Spice, (indonesischem!) Sambal Olek oder Hoisin-Sauce.

Was die Chinesen erfolgreich und die Fusion-Cuisine populär macht, spiegelt sich somit auf diesem heimischen Teller wider: Eine Kopie – besser – eine Interpretation eines vermeintlich chinesisch-kolonialen Gusto die auf hegau-chinesische Art unseren mitteleuropäischen Zungen schmeichelt. Exotische Kräuter aus dem südwestdeutschen Hegau harmonieren mit echter Sojasauce aus Japan – einem Land mit dem China schon immer im Clinch lag. Zudem der Geschmack von Portwein im Fleisch, den die portugiesischen Kolonialherren importierten, Dank auch an Kyle´s Inspiration ;-).

Fazit

Den echten Chinesen wird das alles vermutlich genauso aufstoßen und wenig authentisch schmecken wie unserem Horst Seehofer ein chinesisches Bier – gebraut nach deutschem Reinheitsgebot – bei wirtschaftspolitischen Verhandlungen in Peking. Aber so iss´ es nun mal, … jaa, Globalisierung is´so!

2 Kommentare
  • Dee Bee Smith
    Veröffentlicht um 08:24h, 05 Juli Antworten

    Eine kochkunsthistorische Lektion par excellence. Gegen das globale „Soll’n wir mal wieder zum Chinesen“ rebellieren meine Geschmacksnerven schon lange. Die Chinesen kopieren ja nicht nur andere, sondern tausende von China-Speisehallen von Flensburg bis Konstanz kopieren voneinander den gleichen Einkaufszettel bei den gleichen China-Food-Großhändlern. Vielleicht kapieren ja mal ein paar intelligentere dieser Chinesen, daß das Geheimnis des Erfolgs nicht „copy and paste“, sondern „Fusion and Taste“ ist.

  • Patrick Manzecchi
    Veröffentlicht um 20:58h, 07 Juli Antworten

    …lecker!!! Volles Lob.

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